9/18/2008

French Teaching Vanishing From Turkish High Schools

Ein geschichtliches Panorama des Deutschen als Fremdsprache in der Türkei by Ayten Genç:



Das führte aber nicht dazu, daß die Anzahl der Deutschlernenden in der Türkei zunahm. Allerdings kam es in der Wahl von Französisch oder Englisch zu wichtigen Veränderungen: Die Anzahl der Schüler, die Französisch wählten (38,4 Prozent), nahm, die Anzahl derer, die Englisch lernten (53 Prozent) zu. Somit veränderte sich die fremdsprachliche Situation zugunsten des Englischen und nicht des Deutschen. Aber es ist zu bemerken, daß die Anzahl der Deutschlerner (8,6 Prozent) im Vergleich zu den früheren Jahren anstieg. Man erkennt also, daß in den 70er Jahren das Englische den Konkurrenzkampf mit dem Französischen gewann, und im Schuljahr 1971-72 wurde Englisch von weit mehr als der Hälfte der Schüler (67 Prozent) gewählt, Deutsch hingegen nur von 10 Prozent. Bemerkenswert ist auch, daß die Anzahl der deutschlernenden Schüler im Gegensatz zu den 60er Jahren zunahm...
Im Schuljahr 1976-77 wählte der größte Teil der Anadolu-Schüler Englisch (56,6 Prozent). Im Vergleich zu den Englischlernenden und Deutschlernenden war die Anzahl der Französischlernenden (14,5 Prozent) nicht so hoch. Die Anzahl der Deutschlernenden (28,9 Prozent) war halb so hoch wie die der Englischlernenden. Aber es fällt auch auf, daß sich diese Situation im Laufe der Jahre änderte. Man kann feststellen, daß im Schuljahr 1977-1978 die Anzahl der Englischlernenden (67,2 Prozent) zu- und die der Deutsch- (23,4 Prozent) und Französischlernenden (9,4 Prozent) abnahm. Diese zugunsten des Englischen veränderte Situation beeinflusste besonders den Rückgang des Französischen (siehe Tabelle 3)....
Die Nachfrage nach Französisch, das seit dem Osmanischen Reich in den Schulen angeboten und gelernt wurde, ging ab 1980 zurück, und so rückte das Deutsche auf den zweiten Platz. Im Schuljahr 1989-90 lernten 85,5 Prozent der Schüler Englisch, wohingegen 9,3 Prozent der Schüler Deutsch und 5,2 Prozent Französisch lernten (siehe Tabelle 2).
Zu diesen Daten gehörte auch die Anzahl der Anadolu Gymnasiasten. In diesen Schulen lernten 11,2 Prozent der Schüler Deutsch, 3,2 Prozent der Schüler Französisch, 85,6 Prozent der Schüler Englisch (siehe Tabelle 2). Diese Tendenz setzte sich auch in den 90er Jahren fort. Die Nachfrage nach Französisch und Deutsch ging zugunsten des Englischen zurück. Betrachtet man Tabelle 1, kann man ein wachsendes Interesse am Englischen und demgegenüber einen rapiden Abfall des Interesses am Deutschen und insbesondere am Französischen erkennen. Besonders katastrophal ist die Situation des Französischen als Fremdsprache (siehe Tabelle 2 )

Münster – PALM 26/2006

2 comments:

Schäfer said...

Das Problem mit der französischen Sprache ist, sie ist schwerer zu erlernen als die englische Sprache und man gebraucht sie fast nie, das heißt, sie ist weniger alltagstauglich als Englisch und sogar Lateinisch. Zu lange hat sich Paris darauf ausgeruht, die Sprache des franz. Zentralstaates vielen Menschen zwar als besonders graziöse Errungenschaft zu verkaufen, aber dem Lernenden gegenüber war man dann oft zu arrogant, um ihm die Lernfreude zu erhalten, und auf dem Weltmarkt war man ebenso wenig präsent wie auf der literarischen Ebene.

Unfrench said...

Das stimmt. Soviel kulturelle Arroganz, wie die Franzosen an den Tag legen, kann die Menschheit nicht verkraften.
Auf dem Weltmarkt sind die Franzosen zwar wenig wirtschaftlich präsent, aber sie haben geglaubt, sie können dem schwindenden Nutzen ihrer Sprache entgegensteuern, indem sie den Französisch-Unterricht subventionieren oder gar selber anbieten (Lycées francais). Anders die Anglo-Amerikaner ist ihr Denken Anbieterzentriert und nicht Verbraucherorientiert. Eine solche Herangehensweise muß aber scheitern, wenn sie mit Zwang und Gewalt als Unterstützung nicht begleitet ist. Viele Schüler nehmen zwar französisch, aber die Motivation reicht nicht, und sie lernen nicht wirklich, und irgendwann lassen sie die Sprache fallen, weil sie kulturell tot ist und wirschaftlich ohne großen Nutzen.